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Reise 1995/96 Indien/ Nepal / Sikkim mit Motorrad !
Es ist nie zu spät, seine Träume zu verwirklichen! Obwohl ich bereits (1995) 54 Jahre alt geworden bin und seit drei Jahrzehnten kaum mehr Motorrad gefahren war, beschloß ich, Nepal und Nordindien auf  dem Motorrad zu erkunden:

Nordindien und der Himalaya haben mich schon immer fasziniert. Nach fünf beruflichen Indienreisen und einigen Touren mit Geländewagen und VW- Bussen bis nach Afghanistan war für mich klar: Ich will mein Wunschland mit dem Motorrad auf dem Landweg erreichen. Da ich aber außer einer alten BMW R50 kein Motorrad besaß, mußte ich mich nach einer geeigneten Maschine umsehen. Als ich dann zufällig zwei Bayern kennenlernte, die ihrerseits eine Indientour planten und für diese Reise zwei BMW R 80 G/S vorbereiteten, entschied ich kurzerhand, den gleichen Typ zu wählen. Kurze Zeit später konnte ich eine gebrauchte G/S mit 40. Tkm Laufleistung erwerben und machte mich daran, die Maschine mit Alu- Boxen auszurüsten und schon mal die nötigen Ersatzteile zu besorgen.
Woran es mir allerdings bitter mangelte, war Motorraderfahrung. Zwar hatte ich meinen Motorradführerschein bereits 1964 in Österreich gemacht, war aber seit meinem Umzug nach Deutschland 1965 so gut wie nie gefahren. Während vieler Jahre Berufstätigkeit war dann aber das Bedürfnis , wieder Motorrad zu fahren, immer stärker geworden und so hatte ich die BMW R 50 gekauft, um sie in aller Ruhe zu restaurieren.
Der Beitritt Österreichs zur EU am 1.1.1995 war dann eine günstige Gelegenheit, meinen österreichiuschen Motorradführerschein auf einen deutschen umschreiben zu lassen.
Im Schnellverfahren machte ich dann meine ersten Motorraderfahrungen, indem ich meine frisch erworbene R 80 G/S vorsichtig durch die bayerischen Voralpen bewegte. Ein erster Abstecher nach Südtirol und zurück über den Brenner bescherte mir dann nie gekannte Motorradabenteuer: herrliches Wetter und erste Serpentinenfreuden über das Timmelsjoch und den Jauffenpaß bis Sterzing. Ab dem Brenner dann strömender Regen bis Bad Tölz. Ankunft um Mitternacht. Ich war vollkommen durchnäßt, durchgefroren und schimpfte auf das miserable Licht der R 80 G/S. Fazit meiner ersten größeren Motorradtour: Wer mit 54 Jahren mit dem Motorradfahren beginnt, muß schneller lernen. Die Ausrüstung muß optimiert, ein Zeitplan muß erstellt werden. Einfach mal schnell ohne Planung einen Ausflug nach Südtirol machen, nein, damit ist es bei weitem nicht getan.
Meine bayerischen Bekannten, die ihre Reise schon seit längerem geplant hatten, gaben mir Tips zur Motorradvorbereitung. Ursprünglich wollten wir zusammen starten, doch das ließ sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr realisieren, davon später! So fasste ich einen neuen Plan ins Auge: ich würde meine BMW in eine Kiste packen und per Luftfracht nach Indien befördern. Ich selbst würde hinterher fliegen und dann meine beiden bayerischen Bekannten in Delhi erwarten, um dann mit ihnen gemeinsam nach Nepal zu fahren.
Gedacht getan. Kurze Zeit später war meine BMW samt Zelt und Schlafsack im Bauch eines KLM- Jumbos unterwegs nach Indien. Als mich von den beiden Freunden die Nachricht erreichte, dass sie in Teheran mit Elektronik- Problemen festsaßen, war es zu spät, das Unternehmen abzubrechen. Ich wollte auf jeden Fall fahren. Endlich kam die Meldung, dass auch die beiden ihre Fahrt fortsetzen konnten. Je näher der Abflug nach Indien rückte, desto nervöser wurde ich. Hatte ich auch nichts vergessen? Es ist meine erste große Motorradreise und ich hatte noch wenig Erfahrung. Die Spannung steigerte sich, als mir mein Chef mitteilte, ich müsste noch eine Woche vorher nach Bangkok fliegen. Diese Reise konnte ich nicht delegieren. Ich musste fliegen, obwohl ich wusste, dass mir nach der planmäßigen Rückkehr aus Bangkok nur noch zwei Tage zur Reisevorbereitung bleiben würde. Da ich mich in meinem Beruf als Projektleiter an viel Streß gewöhnt habe, sah ich der Sache gelassen entgegen.
Endlich in Delhi, Bangkok hatte ich erfolgreich und planmäßig beendet. Erst um drei Uhr sinke ich in mein Hotelbett. Ein paar Stunden später beginnt das Abenteuer:
„ Befreiung des Motorrades aus dem indischen Zoll".
Trotz der Mithilfe eines Speditionsagenten der indischen Niederlassung meiner Firma dauerte es drei Tage, bis ich mein Motorrad in Empfang nehmen kann. Etwa 30 verschiedene Beamte hatten unzählige Formulare unterschrieben, Schmiergelder wurden locker gemacht, der bürokratische Aufwand hier ist vermutlich nirgendwo auf der Welt zu überbieten.
Endlich treffen auch die beiden bayerischen „Überlandfahrer" ein. Die 9000 km von München bis Delhi haben sie so erschöpft, dass sie nicht mehr weiter nach Nepal fahren wollen. Also fahre ich alleine. Ich bin mir des Risikos bewusst, das ich mit meiner geringen Erfahrung eingehe und plane daher sorgfältig meine nächsten Schritte. Auf keinen Fall will ich die Fehler der beiden nachmachen und nur mörderisch überlastete indische Hauptstraßen befahren. Meine Devise heißt daher: „ Verkehrsarme Nebenstrecken bis zur nepalesischen Westgrenze". Ich hoffe das diese existieren, mache mich auf den Weg und suche mir mit Hilfe meines GPS einen Weg aus dem Straßengewirr der indischen Metropole.
Die Dieselabgase der LKW`s verfärben meine noch saubere Gore- Tex- Jacke innerhalb kurzer Zeit in eine schmutzig- graue Mechaniker- Montur. Auf Busse und Lastwagen muß ich höllisch aufpassen, sie nehmen keine Rücksicht auf entgegenkommende Motorradfahrer und drängen mich so manches Mal brutal in den Straßengraben. Bei Rampur kann ich endlich auf Nebenstrecken abbiegen und genieße fortan eine abwechslungsreiche Fahrt zur nepalesischen Westgrenze. Dank meines GPS finde ich auch unmarkierte Kreuzungen und fahre öfters im Schritttempo durch malerisch- bunte Dörfer.
In einfachen, aber sauberen Gasthäusern kann ich übernachten, das Essen schmeckt trotz scharfer Gewürze vorzüglich. Ich erreiche die Nepalgrenze.
Nach einem freundlichen Händedruck des Zöllners und einer süßen Tasse Kardamon- Milchtees, bin ich in Nepal! In einer Holzhütte, wo man sogar indische in Nepal- Rupis tauschen kann, wird mein Visum abgestempelt. Der freundliche Beamter erzählt mir auch noch von der Schönheit seines Landes und möchte dann dafür als Gegenleistung 50.- USDollar. Nachdem ich ihm glaubhaft versichert habe, das ich gerade alle meine USDollar in Nepal- Rupis gewechselt habe, gibt er sich mit 50.- Nepal- Rupis zufrieden! ( ca. 2,50 DM), die ich ihm großzügig als Nebenverdienst gönne.
Richtung Kathmandu fahre ich im Schritttempo auf einer grobgeschotterten Piste auf einem Überschwemmungsdamm. Nach ca. 40 km erreiche ich ein kleines Dorf. Die Nacht bricht herein und ich finde eine Unterkunft bei freundlichen Leuten. Die Wirtsleute erzählen mir von einer Asphaltstraße gleich hinter dem Dorf. Tatsächlich finde ich am nächsten Morgen die bestens asphaltierte Straße und kann sogar gut gelaunt bis auf den 5. Gang hochschalten. Dann versperrt mir ein riesiger Kieshaufen auf der Straße die Weiterfahrt. Dahinter ein gewaltiger Urwaldfluß.
Ich muß über die Böschung zum Ufer runter fahren und warte auf einen einheimischen Mopedfahrer, der mir eine Furt mit dem niedrigsten Wasserstand zeigte. Von den umliegenden Reisfelder kommen die Bauern und Kinder angerannt, um sich dieses Schauspiel nicht entgehen zu lassen, wenn ich mich durch die Furt wage. Mit Herzklopfen fahre ich dann ca. 100 m durch bis zu 40 cm tiefes Wasser. Naß aber ohne umzufallen und ohne den Motor abzuwürgen, erreiche ich das andere Ufer. Meine erste Flußdurchfahrt ist geglückt. Viele weitere sollen noch fogen.
Auf einer Strecke von über 170 km wechselt sich jetzt die Asphaltstraße mit Flußdurchquerungen, da noch keine Brücken gebaut wurden. Dafür haben die Entwicklungsgelder scheinbar nicht gereicht. Beiderseits der Straße ziehen entweder Reisfelder, vereinzelte Dörfer oder tiefer Dschungel an mir vorbei, das Land südlich des Himalaya- Kamms ist nur dünn besiedelt. Öfters halte ich an, um große Affenherden zu fotografieren, die auf der Straße spielen. Die Geräusche aus den Dschungel, die ich dabei höre, flößen mir gewaltigen Respekt ein. Immerhin gibt es hier noch Tiger und Panzernashörner. Plötzlich hole ich vor mir 4 Motorradfahrer ein. Es sind Touristen aus Israel, die mit ihren indischen Enfields ebenfalls nach Kathmandu wollen. Sie bieten an, zwei ihrer Enfields gegen meine BMW tauschen zu wollen, doch ich wehre vergnügt aber bestimmt dieses Angebot ab. Nach einer gemeinsamen Tagesetappe verabschiede ich mich, da sie mehr mit der Reparatur ihrer Enfields beschäftigt sind, als mich zügig nach Kathmandu zu begleiten.
Langsam steigt die Straße aus der Dschungelebene empor. In der klarer werdenden Luft werden am Horizont die ersten Schneegipfel der Himalaya- Kette sichtbar. Immer noch beträgt die Luft angenehme 25 Grad C und es ist ein Genuß, durch die immer zahlreicheren Kurven zu schwingen. Durch wilde Schluchten mit grandiosen Tiefblicken windet sich die gut ausgebaute Straße vor meiner Enduro Kathmandu entgegen. Kurz vor Kathmandu wird zwar der LKW- Vehrkehr wieder dichter, aber die Fahrer sind um einiges freundlicher als in Indien und geben mir sogar Handzeichen, wenn ich Überholen kann.
Kathmandu ist erreicht und ich bin stolz und froh heil hier angekommen zu sein. Mein Freund Peter, der vor 2 Monaten von München mit seinem Wohnmobil hierher gefahren ist erwartet mich bereits. In den nächsten Tagen lerne ich seine nepalesischen Freund Madhu kennen, der gut deutsch spricht und als Reiseveranstalter hier arbeitet. Durch seine Hilfe unternehme ich wunderschöne Ausflüge in die nähere Umgebung und zu den beiden anderen Königsstädten Patan und Baktaphur, die teilrestauriert und prächtig vor den Eisriesen des Himalayas aufragen.
Anschließen fahre ich in ein Nashorncamp bei Bharatpur. Hier leben die letzten einhörnigen Panzernashörner und einige Tiger in freier Wildbahn.
Mitunter wandern die Nashörner aus dem Park und laben sich an frischen Gemüse von den unliegenden Feldern der Bauern. Das frische Gemüse schmeckt ihnen halt besser, als das verdorrte Elefantengras im Park! Den Bauern ist bei hoher Freiheitsstrafe verboten, die Tiere abzuschießen.Sie versuchen daher mit Stacheldraht und lautem Krach mit trommeln auf Kochtöpfe ihre Felder zu schützen. Das gelingt ihnen nur teilweise. Ich beobachtete einen Nashornbullen, wie er durch einen Stacheldrahtzaun marschierte als wären nur Wollfäden gespannt. Bei meiner Fotopirsch auf diese Tiere muß ich sehr vorsichtig sein. Die Tiere sehen nicht gut, hören und riechen aber umso besser. Innerhalb kürzerster Zeit sind sie in der Lage, ihr 3 Tonnen Lebendgewicht auf bis zu 60 Stundenkilometer zu beschleunigen.
Im Falle eines Angriffs, rät mir ein Ranger, hilft nur Zick- Zack zu rennen und einen Baum hoch klettern. Ich sah einen Bullen träge in einem Schlammloch liegen und pirsche mich vorsichtig von hinten an, um ein paar Fotos aus der Nähe zu schießen. Der Wind steht günstig und hinter mir weiß ich einen rettenden Baum als Rückversicherung. Beim zweiten Klick meiner Kamera schießt er aus dem Schlamm hoch. Ich renne auf dem Baum zurück. Der Bulle hat aber vor sich einen anderen Bullen erspäht und nimmt diesen wutschnaubend aus Korn.

Auf der Rückfahrt nach Kathmandu nehme ich nicht die neue Straße von Bharatpur über Mugling, sondern die alte Strecke von Hetauda, die in den fünfziger Jahren vom indischen Militär in die Felsen gebaut wurde. Sie ist nur teilweise asphaltiert und wird seit der Fertigstellung der neuen Straße nicht mehr repariert. Genau das Richtige für mich und meine Enduro. Auf dieser Strecke erlebe ich die beeindruckendsten Ausblicke auf die Terrassenlandschaft Nepals. Nach der Auffahrt zur Paßhöhe bei Daman in über 3000 m Höhe eröffnet sich mir bei stahlbauen Himmel das einzigartige Panorama des höchsten Gebirges der Welt. Die Sicht reicht vom Anapurna bis zum Mt. Everest. Ich bin so beeindruckt, das ich hier oben übernachte, um den Sonnenuntergang sowie den- Aufgang hier zu erleben. Dieses Schauspiel war unvergesslich.

In Kathmandu treffe ich wieder Peter, der mit seinem Kleintransporter von München bis Kathmandu gefahren ist. Er hilft mir, für meine G/S bei einem Bekannten namens Madhuban ein Winterquartier zu organisieren und ich berichte per Fax meinen Freunden zu Hause vom Gelingen meiner ersten Motorradtour. Abschließend unternehme ich noch einen Rundflug zum Mt. Everest und setze mich mit mir selbst zufrieden in das Flugzeug nach München.

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Februar 1996: Fortsetzung der Nepalreise

Kaum ist Weihnachten vorbei, mache ich mich an die Planung zur Fortsetzung meiner Tourenfahrt.

Auf meiner ersten Reise habe ich gelernt, das es in Nepal keinen Winter in unserem Sinn mit Schnee und Regen gibt, sondern das es im östlichen Teil des Himalayas von September bis Mai so gut wie keine Niederschläge fallen. Lediglich im Westteil des Massivs, im nordindischen Kashmir und im Pamirgebirge in Nordpakistan findet ein echter Winter statt, wie wir ihn beispielweise aus den Alpen kennen. In Nepal dagegen ist bei Tagestemperaturen von 20 Grad und klarem Himmel problemlos auch eine Motorradtour im Winter möglich. Von Dezember bis März können aber nachts die Temperaturen unter Null Grad fallen.
Über meine BMW- Motorradhändler in Bad Tölz finde ich drei Tourenfahrer, die mit zwei R 100 GS und einer R 80 G/S ebenfalls mit mir nach Indien und Nepal wollen. Wir beschließen eine gemeinsame Fortsetzung meiner Tour und die drei beginnen sofort mit meiner Unterstützung ihre BMW`s versandfertig für den Lufttransport nach Delhi zu machen. In der Zwischenzeit organisiere ich die Visas für Indien und Nepal sowie die Carnets beim ADAC. Leider haben wir nur vier Wochen Urlaub und so muß ein genauer Zeitplan erstellt werden. Durch Zufall erfahre ich, daß es seit einigen Monaten möglich ist nach Darjeeling zu fahren und eine Sondergenehmigung für die Einreise in das Königreich Sikkim zu bekommen. Diese Tour wollen wir unbedingt machen und damit ist unsere Reiseroute auch schon vorgegeben.

In Delhi angekommen, glückte es uns dank der Erfahrung meiner ersten Reise, alle drei Maschinen innerhalb von nur zwei Tagen aus dem Zoll zu bekommen! Wieder fließen Schweiß und Schmiergelder, aber schließlich lassen wir Delhi hinter uns. Meine Transporttaschen sind auf drei Maschinen verteilt und ich fahre auf dem Soziussitz von Joachims R 100 GS bis Kathmandu. Bei den Flußdurchfahrten steige ich ab und sondiere das Gewässer zu Fuß. Nach einer Woche erreichen wir Kathmandu. Noch am gleichen Abend erwecke ich meine gute alte G/S aus ihrem Winterschlaf und am nächsten Morgen starten wir mit vier BMW`s von Kathmandu aus nach Pokkara.
Die große Attraktion dort ist das Massiv des Anapurna. Leider sashen wir den Gipfel des 8000 ender nur wenige Minuten, dann verhüllen Thermikwolken sein mächtiges Haupt. Auf der alten Militärstrasse geht es dann hinunter in die Ebena nach Butwal, wo wir die ersten Reifenpannen verzeichnen.Erstmalig probieren wir die Reparatur von Schlauchlosreifen mit den handesüblichen Reparatursets. Es funktioniert und wir ersparen uns das Einziehen eines Schlauches. Durch die Reifenreparastur erreichen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit unseren Zeltplatz am Ufer des Narayani River am Eingang des Nationalparks.
Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Osten, Richtung Sikkim. Viele Baustellen lassen uns nur langsam voran kommen. Müde und völlig eingestaubt erreichen wir Siliguri. Nach Tagen genießen wir wieder mal eine Dusche. Dann geht es weiter zur berühmten Teestadt Darjeeling.
Steil und in sehr engen Serpentinen schraubt sich die Straße in die Berge. Endlose Teeplantagen sind in die Hänge modelliert. Fünf Kilometer vor Darjeeling stoßen wir auf eine uralte Schmalspur- Dampfeisenbahn, die von den Engländern vor mehr als 100 Jahren gebaut worden ist. Die Bahngleise sind auf der Straße verlegt und nur unter größter Vorsicht mit den Motorrädern zu überqueren. Darjeeling liegt malerisch auf einem Bergrücken und läßt noch den Glanz des vergangenen Jahrhunderts erahnen. Wir übernachten hier. Bevor wir nach Gangtok, der Hauptstadt von Sikkim aufbrechen, decken wir uns noch mit Original- Darjeelingtee ein.
Mit unserer Sondergenehmigung ist die Kontrollstelle des indischen Militärs schnell passiert.Seit einigen Jahren steht Sikkim unter indischer Verwaltung. Es wird genau registriert, wer nach Sikkim ein- und ausreist. Die Grenze nach China ist nah und so werden wir noch mehrmals von Militärposten kontrolliert. Die ist sehr freundlich und das kleine Königreich ist noch kaum touristisch erschlossen. Wir erkunden die Umgebung von Gangtok und gelangen nahe des 3. größten Achttausender, dem Kantschenschonga, auf 3000m in Pelling zu einem buddhistischem Kloster, das auf einer Anhöhe vor der Kulisse des gewaltigen Achtausender liegt. Die untergehende Sonne taucht die Berge noch lange Zeit in blutrotes Licht.
Nach diesem Abstecher in die Bergwelt Sikkims müssen wir an die Rückfahrt denken. Es sind noch dreitausend unbekannte Kilometer bis Delhi, und wir sind schon um zwei Tage hinter unserem Zeitplan zurück. Im Schnitt bedeutet das jeden Tag eine Strecke von 275 km. Die schlechten verkehrsreichen indischen Straßen lassen diesen Schnitt jedoch nicht täglich zu und so müßen wir uns auf einige Gewaltetappen gefaßt machen.
Bei der Abfahrt von Pelling stürze ich zu allem Überfluß so unglücklich, das ich mir den Großen Zehe breche. Mit eingelenktem Vorderrad will ich einen Jeep überholen und fahre dabei auf einen Steinauf, der auf dem Asphalt wegrutscht. Mein Vorderrad rutscht mit und kommt dann voll eingeschlagen an einem im Asphalt eingelassenen „Speedbraker" urplötzlich zum Stillstand. Dabei fliege ich über den Lenker und schlage mit dem rechten Rist heftig auf den Asphalt. Mein Fuß schwillt stark an und der Große Zeh schmerzt fürchterlich.
Doch ich beiße die Zähne zusammen und wir erreichen bald die Gangeseben. Jetzt sind es nur noch ca. 80 km bis nach Benares oder Varanassi, wie es jetzt heißt. Für diese Strecke benötigen wir 7 Stunden, da wir an dem größten LKW- Stau vorbei müssen, den ich je gesehen habe. Es wir dunkel und die Sicht ist durch die Dieselabgase zusätzlich erschwert. Der Grund des gewaltigen Staus ist eine nur einspurige Brücke über den Ganges, der auch noch von der Eisenbahn benützt wird. Nur alle halbe Stunde wechselt die Fahrtrichtung im Einbahnverkehr. So erreichen wir unsere Unterkunft erst mitten in der Nacht. Am nächsten Morgen sind wir schon wieder um 6 Uhr früh auf den Beinen. Bei einer Bootsfahrt am Ganges wollen wir unbedingt die Badezeremonien der Pilger im Heiligen Fluß beobachten. Das Schauspiel wird uns lange in Erinnerung bleiben.
Die nächste Tagesetappe führt uns bis Kajuraho, ein Ort, der berühmt ist wegen seiner 30 Tempelanlagen mit erotischen Steinreliefs. Eine Gruppe von Mönchen sitzt meditierend auf den Steistufen und würdigt die von Ruß und Staub der Landstraße verdreckten Motorräder keines Blickes. Der krönende Abschluß unserer Reise ist die Besichtigung der Städte Agra und Fatempur Sikri. Fatempur Sikri wurde einst von einem Moghul Sultan gegründet und war nur wenige Jahre die Haupstadt des Moghulreiches. Leider hat das zu wenige Wasser für so viele Menschen nicht gereicht und so wurde die Stadt mit seinen beeindruckenden Bauwerken bald wieder verlassen. Seit einiger Zeit gehören diese Bauwerke neben dem Taj Mahal zu dem am meist besuchten Touristenorten Indiens.
Agra faziniert uns fast noch mehr. Hier besichtigen wir trotz unser Zeitnot das berühmte Taj Mahal. Natürlich ist der Aufenthalt viel zu kurz, aber leider haben wir nicht mehr Zeit. Unser Rückflug von Delhi nach Deutschland läßt sich nicht umbuchen und wir müssen ja auch noch unsere Motorräder in Kisten verpacken. Auf Nebenstrecken fahren wir zurück nach Delhi. Heilige Kühe liegen mitten auf der Fahrbahn und sind sich ihrer Immunität anscheinend voll bewußt und lassen sich auch beim stärksten Verkehr nicht in ihrer Ruhe auf der Fahrbahn stören. In Delhi dauert das Zimmern der Holzkisten länger als geplant, weil uns ein Teil der hinterlegten Bretter gestohlen wurden. Holz als Baumaterial und Brennstoff ist teuer in Indien. Die Kisten sind dann doch fertig und wir erreichen noch rechtzeitig zum Abflug unser Flugzeug. Als ich müde und mit schmerzendem Zehen im Flugzeug sitze, fahre ich in Gedanken nochmal unsere Tour und beginne bereits von der nächsten Tour zu träumen. Der riesige Subkontinent mit seiner tausendjährigen Kultur und dem höchsten Gebirge der Welt haben mich so sehr beeindruckt, das ich bereits eine weitere Reise mit dem Motorrad nach Ladak und Zanskar in den indischen Teil des Himalayas plane. Vielleicht gelingt es mir ja eines Tages auch, eine Einreisegenehmigung für Tibet zu erhalten?
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