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Reise 1996 WELTPRÄMIERE nach Tibet mit dem Motorrad!

ICH WIDME DIESEN BERICHT DEM LEIDENDEN TIBETISCHEN VOLK, das sich gegen die chinesische Besatzungsmacht nicht wehren kann, die das tibetische Volk und ihre einzigartige Kultur für immer auslöschen wollen !




Das Reisefieber ist riesengroß. Nur noch einen Tag arbeiten! Als Projektleiter habe ich alle nötigen Aktivitäten längst eingeleitet bzw. delegiert. Im Kopf habe ich nur noch mein großes, privates Projekt: Tibet mit dem eigenen Motorrad erfahren!
Lange habe ich darauf hingearbeitet und weiß, dass ich der erste bin, dem diese Genehmigung von den chinesisch- tibetischen Behörden erteilt wurde. Sorgfältig habe ich Motorrad, Ausrüstung und die Reisepartner ausgewählt. Es darf nichts schief laufen, so eine Gelegenheit kommt nicht so schnell wieder, außerdem bin ich jetzt 55 Jahre alt, nein jung. Die Motorräder müssten bereits vor 3 Tagen in Kathmandu angekommen sein- hoffentlich unversehrt. Wir haben sie in Kisten verpackt und per Luftfracht von München über Bangkok nach Kathmandu geschickt.
Nach einem ruhigen Flug landen wir um 3:00 Uhr in der Früh in Delhi. Um 8:00 Uhr ist unser Weiterflug nach Kathmandu. Es regnet in Strömen, nein es schüttet wie aus Kübeln. Warum ist der Monsun noch nicht zu Ende? Normalerweise ist Mitte September schon schön in Nordindien. Hoffentlich ist in Nepal besseres Wetter.
Madhu, unser Freund in Kasthmandu, der unser Verbindungsmann nach Tibet ist, hat mir bereits am Telefon von Vermurungen auf der Strecke von Kathmandu zur Tibetgrenze erzählt.
Mittags Ankunft in Kathmandu, dier komplette Mannschaft besteht aus 3 Motorradfahrer und ein Paar aus Deggendorf, die uns in einem Jeep nach Tibet begleiten wollen. Großer Empfang durch meine Freunde mit Blumenkränzen, die uns um den Hals gelegt werden. Das habe ich bis jetzt nur im Fernsehen von Hawaii gesehen. Aber auch in Kathmandu ist trübes Wetter und leichter Nieselregen. „Positiv thinking" ist angesagt. Wir wollen gleich unsere Motorradkisten abholen, aber der Zoll arbeitet heute nicht. Also noch einen Tag warten!
Tags darauf startet Madhu mit unseren Reispässen zur chinesischen Botschaft, um unser Gruppenvisum ab zu holen. Wir fahren in der Zwischenzeit zum Zoll und holen dann unsere Motorrädern aus den Kisten. Rolands Kiste war aufgebrochen und es fehlen seine Endurostiefel. Außerdem kann er seine Maschine nicht elektrisch starten, die Batterie scheint kaputt zu sein. Wir haben noch kein Starterkabel zur Hand und müssen daher gleich eine neue Batterie besorgen. Nachmittags ein erster Ausflug zur nahegelegenen alten Königsstadt Patan, damit wir uns an den Linksverkehr gewöhnen.
Immer noch regnet es. Es kommen erste Befürchtungen auf, das wir auf dem Landwege mit den Motorrädern nicht nach Tibet gelangen können. Der LKW, der uns in Tibet zur Grenze entgegenkommt, um unser Gepäck abzuholen, ist ca. 30 km vor dem Grenzort wegen zerstörter Straße stecken geblieben und kommt nicht mehr weiter. Wir überlegen, ob wir per Flugzeug nach Tibet einreisen könnten- 1 x pro Woche geht ein Flug von Kathmandu nach Lhasa. Aber würde man auch unsere Motorräder im Flugzeug mitnehmen? Angeblich sind für den nächsten Monat alle Flüge wegen dem starken Monsunregen nach Lhasa seit Wochen ausgebucht. Also machen wir erst mal noch einen Ausflug nach Bakthabur, einer sehenswerten Königsstadt in der Nähe von Kathmandu. Am nächsten Morgen wollen wir auf jeden Fall Richtung Tibetgrenze aufbrechen.
Endlich unterwegs. Nachdem wir das Talende von Kathmandu erreicht haben, wird die Straße kurviger und windet sich durch eine immer enger werdende Berglandschaft . Bald kommen wir an die ersten Muren, die zwar noch sehr schlammig naß, aber durch vorhandene Lkw- Spuren passierbar sind. 20 km haben wir schon hinter uns gebracht, als uns entgegenkommende Fahrzeuge signalisieren, daß es nicht mehr weiter geht. Vor uns liegen riesige Felsbrocken auf der Straße, dahinter klafft eine Schlucht. 20 m in der Tiefe rauscht eine lehmige Brühe, über die zwar Bretter für die Fußgänger gelegt wurden, die aber mit den Motorrädern nicht passierbar sind. Die Brücke über diese Schlucht existiert nicht mehr. Eine gewaltige Mure hat sie letzte Nacht vollständig zerstört. Wir versuchen, weiter talabwärts auf die andere Talseite zu kommen, aber eine unpassierbare Fußgänger Hängebrücke stoppt uns endgültig. Der Grenze zu soll es noch viel schlimmer sein. Ganze Steilhänge sind abgerutscht und haben die einzige Straße meterhoch mit Schlamm und Geröll verschüttet. Laut den Einheimischen war der Monsunregen seit 10 Jahren nicht mehr so ausgiebig, wie in diesem Jahr. So müssen wir enttäuscht umkehren und erreichen abends wieder unser Quartier in Kathmandu.
Zwei Tage wollen wir noch versuchen, ob wir Flugtickets nach Lhasa bekommen, aber wir stellen uns langsam darauf ein, daß wir dann nach Nordindien aufbrechen werden. Zum Ausgleich fahren wir auf einer alten Militärstraße zum 80 km entfernten Aussichtspunkt Daman, von dem man bei gutem Wetter eine phantastische Aussicht auf die Himalayakette haben soll. Aber an diesem Tag gab es nur Wolken zu sehen. Die Monsunwolken hatten sich noch nicht verzogen.
Was wir nicht mehr erwartet hatten, trifft jetzt doch noch ein: Wir bekommen dank Beziehung meines Freundes Madhu Flugtickets nach Lhasa. Wir bezahlen 250 US- Dollar pro Person, 200 USD pro Motorrad sowie 200 USD an Bestechungsgeld für den Motorradtransport an die chinesische Airline- Managerin, die Madhu am Vorabend zum Abendessen eingeladen hatte. Doch als wir die Motorräder in Abfertigungshalle schieben und sie als Fluggepäck aufgeben wollten, schüttelt das Bodenpersonal nur ungläubig die Köpfe: Motorräder als Sperrgut in einer Passagiermaschine hat es noch nie gegeben. Wir protestieren, den schließlich haben wir bei der Managerin für den Motorradtransport bezahlt. Wir erreichten, das wir die Motorräder auf das Vorfeld schieben durften. Inzwischen hat man den Flughafenleiter verständigt, der uns aufhält, als wir die 3 BMW`s auf Transportwagen bis zum Flugzeug schieben wollten. In der Zwischenzeit ist auch die herbei gerufenen Managerin eingetroffen und setzte sich mit Hilfe unseres Protestes beim Flughafenboss durch. Schließlich wurde der Flugkapitän aus der Maschine geholt. Nach eine auf chinesisch geführten Diskussion zwischen der Managerin und dem Captain, scheinen sie die 3 Motorräder verladen zu wollen. Vorsorglich hatten wir bereits außerhalb des Flughafens das Benzin aus den Tanks abgelassen, die Vorderräder abmontiert und die Maschinen auf unsere Transportpaletten fest gezurrt, da ich wußte, das der Gepäckraum im Flugzeug ziemlich niedrig ist. Nachdem sich der Flugkapitän von den leeren Tanks überzeugt hat, mußten zu erst das in der Zwischenzeit vollständig verladene Fluggepäck der 180 Passagiere wieder teilweise aus dem Bauch des Fliegers ausgeladen werden. Dann verschwinden die Paletten mit unseren Maschinen zentimetergenau über das Förderband im Bauch der Boeing 757-200. Wegen unsere Verladeaktion, startete die Maschine dann mit 40 Minuten Verspätung Richtung Lhasa. Was wir nicht mehr für möglich gehalten haben: Unser Motorradabenteuer nach Tibet wird nun doch noch Wirklichkeit!
Nach einstündigem Flug, vorbei am Mt. Everest, dessen Gipfel ich kurz in gleicher Höhe aus dem Flugzeugfenster erblickte, landeten wir am Airport von Lhasa. Nachdem wir unsere Reistaschen vom Gepäckband geholten hatten, warteten wir auf die Palette mit unseren BMW`s. Meine Maschine kam als erste an. Schlauerweise haben die Chinesen die Paletten auf das Transportband gestellt, die Luke in die Ankunftshalle war aber für die Maschinen zu niedrig. Ergebnis: mein Tacho ging zu Bruch, der oben an der zu niedrigen Wandöffnung hängen blieb. Na ja, dann muß ich halt durch Tibet ohne Tacho fahren.
Wir wurden von unseren tibetischen Begleitern vor dem Gebäude erwartet, die unsere Transporttaschen übernahmen. Wir hatten von Kathmandu nach Lhasa telefoniert, das wir jetzt mit dem Flugzeug kommen. Der LKW, der uns auf dem Landwege an der Tibet- Nepalgrenze abholen sollte, ist wieder leer nach Lhasa zurück gefahren. Auch er konnte wegen der verschütteten Straßen nicht bis zur Grenze fahren. Kaum haben wir unseren Maschinen Richtung Lhasa gestartet, die Hauptstadt von Tibet liegt 80 km vom Flughafen entfernt, wird es Roland schwindelig. Wir müssen anhalten und Pause machen, er verträgt die Höhe von 3700 Meter noch nicht. So lassen wir es langsam angehen und haben 2 Tage Zei,t die Stadt zu besichtigen.
Wir beginnen mit dem riesigen und beeindruckenden Potala- Palast, dem ehemaligen Sitz des Dalai Lama, der heute im Exil in Nordindien lebt. Er ist 1959 vor den Roten Garden der chinesischen Besatzungsmacht aus Lhasa geflohen und darf Tibet nicht mehr betreten, weil er auf seinen weltlichen und geistlichen Führungsanspruch über Tibet nicht verzichtet. Beim Bummel durch die malerische Altstadt und dem heiligen Jokhang- Tempel wandern wir mit den vielen Pilgern im Uhrzeigersinn um den heiligen Tempel. Wir übersehen auch nicht das viele Militär, das fast überall präsent ist.
Mit sieben frisch gefüllten Benzinfässern a´200 l beladenund eine Menge Lebensmittel, steht unser Material Lkw vor unserem Hotel. Wir erhalten chinesische Nummernschilder und müssen uns bei der Verkehrspolizei chinesische Führerscheine ausstellen lasse. Ohne diese hat man uns am Tag vorher nicht aus Lhasa raus fahren lassen. Unser chinesischer Führer sitzt in einem Toyota 4x4 Geländewagen und mit ihm und dem tibetischen Fahrer, begleitet uns noch ein Ehepaar aus Niederbayern. So können wir die Reisekosten anteilig in Grenzen halten. Nach einigen Kilometern außerhalb von Lhasa befinden wir uns auf der Schotterstrecke, die nach Gyantse führt. Fast ohne Übergang geht es gleich von 3700 m auf den Kamba- Pass auf 4800 m hinauf. Wir haben uns inzwischen ganz gut an die Höhe gewöhnt nur unsere Vergaser vertragen die Höhe nicht und das Benzin- Luft- Gemisch wird durch den sinkenden Luftdruck viel zu fett. Innerhalb weniger Minuten haben wir kleiner Haupt- und Leerlaufdüsen in die Vergaser geschraubt und schon laufen die Motoren wieder rund.
Von der Passhöhe hat man eine phantastische Sicht auf den türkisblauen Skorpionsee vor uns und im Hintergrund nach Süden bekommen wir schon die ganz hohen Himalayagipfel zu sehen. In den wenigen tibetischen Dörfern auf der Strecke verursachen wir stets einen Menschenauflauf. Vermutlich haben die Leute noch nie so große Motorräder gesehen. Einen Heidenspaß bereiten wir den Kindern, wenn sie am Dorfanfang bis zum Dorfende entweder auf dem Tank oder auf den Gepäcktaschen aufsitzen und mitfahren dürfen. Weiter geht es über den Kara- Pass, unser erster Pass über 5000 m. Wir spüren sehr deutlich bei der kleinsten Anstrengung die dünne Luft, unsere Motoren laufen dank der kleineren Düsen halbwegs rund. Wir haben uns vor lauter Schauen und Fotografieren verspätet, daher ist es bereits dunkel, als wir unser Hotel in Gyantse erreichen. Die Motorräder werden aus Sicherheitsgründen in der Hotelhalle geparkt. Auf den Zimmern erwarten uns, die in Tibet und China üblichen großen Thermoskannen mit heißem Wasser, einig Tassen Tee wärmen uns rasch wieder auf. Das tibetische Essen ist eigentlich chinesisch, schmeckt uns ausgezeichnet. Das Frühstück ist aber sehr gewöhnungsbedürftig, die angebotenen scharfen Sachen lassen wir lieber stehen und verzehren lieber unser eigenes Müsli. Unser erster Tag auf Strecke in Tibet hat uns sehr gefallen und so sind wir schon voller Vorfreude, was die nächsten Tage bringen werden. Wir hatten geplant zuerst nach Westen ca. 1500 km bis zum Manosarova See und bis zum heiligen Berg Kailash zu fahren und dann noch weiter bis zum ehemaligen Königreich Guge nach Toling. Die Rückfahrt wollten wir dann ab Saga weiter südlich direkt entlang der 8000-ender Gipfel über Tingri und zum krönenden Abschluss nach Rongbuk und zum Basislager des Mt. Everest. Jetzt Mitte September konnten wir noch immer die Monsunwolken auch nördlich des Hauptkammes erkennen. Auf der Rückfahrt müsste dann der Monsun zu Ende sein und wir können mit Superwetter beim Mt. Everest rechnen.
Gleich nach dem Frühstück besuchten wir in Gyantse das Kloster Kumbum mit der größten und berühmtesten Stupa Tibets. Bis auf die Kloster- Hauptgebäude und die Stupa sind die meisten Klostergebäude von den Chinesen Ende der 50iger Jahre vollständig zerstört worden. Tausende von Mönche wurden getötet.



Die Wandmalereien in der Stupa sind wirklich einmalig nur in Lhadak im Kloster Alchi sind die Wandmalereien vergleichbar phantastisch. Nach Gyantse ist die nächste Etappe Shigatse, wo wir den berühmten Basar besichtigten. Dann geht es weiter bis Lhatse, das sich als schreckliches, chinesisch dominiertes Straßendorf mit schlechter Unterkunft heraus stellen sollte. Ab Lhatse wollten wir dann in unserem mitgeführten Zelten schlafen. Es immer noch sehr kalt, Regenschauer und zum Teil Neuschnee bei Temperatur unter 5 Grad Celsius. Wir bewegten uns jetzt fast nur mehr in Höhen um 4500 m und die Pässen waren fast immer um die 5000 m hoch. Nach der Abzweigung in Richtung Saga- Kailash begann es wieder heftig zu Regnen und Schneien, die Berge rundum waren weiß und die Piste wird immer schlechter. Die ersten Lkw`s bleiben im Morast hängen, aber wir kämpfen uns naß, schmutzig und durchgefroren weiter tapfer durch den Schlamm.



Ich fahre zu schnell in ein Wasserloch, das tiefer war als gedacht. Der Motor saugt Wasser an und bleibt sofort stehen. Wir brauchen zwei Stunden, bis wir alles Wasser aus den Zylinder entfern hatten. Dabei hat die Lichtmaschine samt Läufer den Geist aufgegeben. Wir mussten reparieren, Ersatzteile hatten wir dabei. Abends erreichen wir Saga, fahren aber noch weiter über den nächsten Pass, wieder über 5000 m. Jetzt habe ich das nächste Problem: der Anlasser hat den Geist aufgegeben, das Ritzel hat eine Riss und blockiert das Schwungrad. Das heißt Anlasser ausbauen, einen 2. haben wir aber nicht. Jetzt muss ich mit dem Kickstarter den Motor an starten. Und das zwischen 4500 und 5000 m bei fast Null Grad Celsius. Das hat meine letzten Kraftreserven beansprucht. Wenn ich es nicht geschafft habe, dann mussten alle Schieben. Irgendwie haben wir die Maschine immer wieder zum Laufen gebracht.
Wie der Tag begonnen hat, so endete er auch. Bei einer Wasserdurchfahrt fahre ich in ein Loch- Brücken über die Flüsse gebt es schon lange nicht mehr. Wenn man an eine Furt kommt, weißt Du nicht, auf welcher Seite ist es weniger tief. Wenn der Toyota oder Lkw in der Nähe war, dann konnte er ja mal zum Testen der Wassertiefe voraus fahren. Wir waren aber immer mit den BMW`s schneller und wollten nicht bei jeder Furt auf die Autos warten. Im Nuh stehe ich bis zum Gürtel im eiskalten Wasser, die Strömung reißt die Maschine fast um, ich muss mich gegen die Strömung stemmen, sonst habe ich auch noch Wasser im Tank. Wieder alles abgesoffen! Mit einem Seil ziehen wir die BMW aus dem Wasser und schlagen deshalb am Ufer gleich unsere Zelte auf. Wieder muss das Wasser aus den Zylindern. Tags darauf haben wir große Mühe, meine Maschine zum Laufen zu bringen. Alles war naß!
Je weiter wir nach Westen vordringen, umso besser wird das Wetter. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen wärmen uns und tauen unsere Motorräder wieder auf. Die Landschaft wird jetzt steppenartig, in 4800 m leuchten entlang des ganzen Horizonts von Ost nach West die schneeweißen Gipfel der Himalayakette- ein grandioser Anblick! Es gibt riesige Grasflächen, auf denen die Yak- und Schafherden der Nomaden weiden. Diese endlosen Ebenen in der glasklaren Luft verleitet zum Träumen. Die Luft ist so klar geworden, das wir in bis zu 50 km am Horizont noch Reiter erkennen konnten. Ja wenn nur nicht immer diese verfluchten Fluß Durchfahrten und Schlammstrecken wären. Es kommt immer noch viel Schmelzwasser aus den Bergen herunter.
Am nächsten Tag erwischt es Roland. Er fährt eine eigene Spur durch den Schlamm, versinkt bis zu den Achsen im Schlamm und bleibt stecken. Wir mussten die Maschine zur Seite kippen, damit wir sie zu Viert aus dem zähen Schlamm befreien konnten. Die Landschaft wird jetzt immer phantastischer, das Hochplateau geht jetzt in eine Dünenlandschaft wie in der Sahara über- ein sagenhafter Anblick und am Horizont die bis über 8000 m hohen Gipfel. Begeistert fahren wir über die ziemlich festen Sanddünen. Wir fühlen die Höhe von fast 5000 m, einige Male bekommen wir Nasenbluten, wegen der extrem trockenen Luft. Wir tragen jetzt wie die Nomaden den Mundschutz aus Baumwolle, das hält die Nasenschleimhäute feucht und verhindert das Nasenbluten.
Gleich hinter Hopa, wo wir die Nacht verbringen, müssen wir über einen breiten Fluß. Wir können an den vorausfahrenden Lkw`s sehen, das die flachste Stelle immer noch ca. 1,20 m tief ist. Das heißt wir müssen die Motorräder auf den Lkw verladen. Da haben wir auch mal Zeit uns das Panorama anzusehen. Die Sicht ist so phantastisch klar und ohne Wolken. Wir sehen alle 8000 m hohen Gipfel, im Osten bis zum Kanchengzangar 8586 m und im Westen bis zum K2 in Pakistan. Nachgemessen auf der Karte gibt das eine unglaubliche Sicht von mehr als 1600 Kilometer! Wir können in der Ferne auch schon den Mt. Kailash erkennen. Dieser heilige Berg gilt bei den Buddhisten als der Mittelpunkt der Erde. Viele Pilger umrunden den Berg in einem 2-3 Tagemarsch. Ich habe das vor ein paar Jahren gemacht, damit habe ich auch die beste Vorbedingung erfüllt, ins Nirvana zu kommen.
Wir schlagen unsere Zelte hinter dem letzten Kontrollposten vor dem Kailash auf, wo die Militärs unsere Papiere kontrollieren. Mit den notwendigen Sondergenehmigungen aus Lhasa dürfen wir weiter fahren. In der Früh stießen wieder 3 Radfahrer zu uns zurück. 2 Deutsche und ein Engländer. Die hatten wir schon einige Tage am Lkw mit ihren Fahrrädern mitgenommen. Denen waren die Strapazen auf der Strecke doch zu hoch und ließen sich unser Mitfahrangebot nicht entgehen. Sie wollten auch zum Kailash, hatten aber dafür keine Sondergenehmigung erhalten. Sie hatten sich vor dem Kontrollposten von uns getrennt und wollten in der Dunkelheit nördlich vom Posten den Fluß unbemerkt überqueren.
In der Früh liegen einige Zentimeter Neuschnee auf dem Zelt. Es ist klirrend kalt: wir messen minus 15 Grad Celsius. Wir warten auf die Sonne, die uns bald darauf wieder erwärmt. Mittags erreichen wir Darchen, den Pilgerort unter dem Kailash. Gleich hinter dem Dorf galoppiert eine Wildeselherde direkt vor uns über die Steppe. Ein grandioser Anblick, diese herrlichen braun- weiß gefärbten Wildtiere. Große Antilopenherden haben wir schon des Öfteren gesehen. Abends erreichen wir ein Militärcamp, wo wir in einfachen Unterkünften übernachten können. Die Soldaten kochen uns ein einfaches Essen, das sie sich aber fürstlich bezahlen lassen. Wir nutzen die Gelegenheit unsere Benzinvorräte nachzufüllen, da wir nicht wissen, ob wir am westlichsten Punkt in Toling Benzin erhalten können. Unser Lkw und der Toyota fahren auch mit Benzin, was in diesen Höhen besser ist als Dieselmotoren.
Direkt hinter dem Militärcamp führt eine steile Piste auf einen Pass über 5100 m hinauf. Wir durchfahren eine sehr farbige Landschaft, die den Eindruck vulkanischen Ursprung macht. Anschließend beginnt die Abfahrt in einen großen Canyon Richtung Toling. Wir kommen seit Lhasa erstmals wieder unter 4000 m. Die Landschaft geht in einen gigantischen Karst mit Lehmtürmen und wildromantischen Schluchten über. Wir lassen uns viel Zeit zum Fotografieren. Diese Landschaft gehört zu den schönsten auf unserer Erde. Wir sind sehr beeindruckt.
In Toling übernachten wir in einem guten Gästehaus für 40 Yuan pro Bett. Man merkt, das sich vereinzelt doch auch Touristen in diesen verlassen aber geschichtsträchtigen Ort einfinden. Nur 16 km entfernt liegt Tsaparang, die verfallene Hauptstadt des ehem. Königreiches Guge mit seinen über 1000 Jahren alten Kultstätten und Kunstwerken in den fast verfallenen Tempelanlagen. Auch hier haben die Roten Garden kaum mehr reparierbare Schäden angerichtet. Ein paar Restauratoren versuchen die Kunstwerke vor dem weiteren Verfall zu sicher. Von den Chinesen zwar geduldet, aber nicht unterstützt. Hier haben wir in den halb verfallenen Tempeln über 1000 Jahre alte buddhistische Wandmalereien besichtigt, die die ältesten erhaltenen sind.
Wir sind am westlichsten Punkt unserer Reise nach Westtibet angelangt. Von Lhasa bis hierher haben wir rund 2000 Kilometer zurück gelegt. Die Rückfahrt geht zunächst wieder auf der gleichen Strecke zurück zum Kailash. Am Monosarova See machen wir einen Stopp und wollen wie viele Pilger ein Bad in dem heiligen See nehmen. Das Wasser hat aber vermutlich nicht mehr als 4 Grad. Weiter als bis zur Wadenhöhe war nicht auszuhalten, vermutlich muß ich jetzt noch mal einen Umweg nehmen, bevor ich in Nirvana kommen kann.
Unterwegs halten wir bei gastfreundlichen Nomaden und bekommen frischen Yak Yoghurt und selbstgebackene Brotfladen. Schmeckt ausgezeichnet, dafür hinterlassen wir dann auch gerne einige Yuan- Schein. Zur Übernachtung kehrten wir in ein sehr einfaches tibetisches Gästehaus nahe dem Kloster ein. Der glaklare Ausblick über den Manosarova See auf den Kailash ist überwältigend. Meine Vermieterin meinte es mit mir besonders gut, als den kleinen wckeligen Kanonenofen in meinem Zimmer kräftig einheizte. Es wurde bald angenehm warm, aber da weder Ofen noch das Ofenrohr dicht waren, verrauchte mein kleiner Raum in dem Lehmhaus gewaltig. Dazu stank der Rauch penetrant nach Yakdung, da es ja außer getrocknetem Yakdung in Tibet kein Brennmaterial gibt. Auch diese Nacht habe ich überlegt. Als meine Mieterin dann in der Früh noch dem üblichen Buttertee mit ranziger Yakbutter in meine Zimmer brachte, wurde mir kotz übel, ein Frühstück hat mir dann auch nicht mehr gescheckt.
Auf der Rückfahrt nach Hopa kommen wir gut voran. Die Wasserstände der Flußdurchfahrten sind etwas niedriger geworden, zudem haben wir jetzt mehr Erfahrung und wissen von der Hinfahrt die seichteren Furten. Vor der großen Flußquerung , die wieder nur mit dem Lkw zu bewältigen war, campieren wir wieder. Wir treffen eine Gruppe Schweizer, die aus Nepal kamen und uns von den schlechten Straßenverhältnissen berichteten. Sie mußten viele Stellen zu Fuß über die verschütteten Streckenabschnitten machen. Die eingeschlossenen Fahrzeuge auf den freien Strassenabschnitten haben für die Einheimischen und Touristen einen regelrechten Pendelverkehr bis zur nächsten Mure eingerichtet. Sie berichtete, dass die die Soldaten vermutlich noch einige Wochen zum Freiräumen brauchen werden, da sie nur von einer Seite mit den Schubrauben voran kommen. Es sei daher unmöglich, das wir am Landweg mit den Motorrädern zurück nach Nepal fahren könnten. Wir stellen uns daher darauf ein, wieder nach Lhasa zurück zu fahren, um unsere Motorräder wieder mit dem Flugzeug nach Kathmandu zurück zu senden. Unsere Transportpaletten haben wir vorsorglich am Airport bei der Luftfrachthalle deponiert. Es gibt wieder Neuschnee in der Nacht, das Thermometer sinkt wieder auf minus 10 Grad Celsius. Die Motorräder werden wieder für die Flußquerung auf den Lkw verladen. Zwei Schweizer aus der Gruppe schließen sich uns an. Sie müssen umkehren, da sie bereits Anzeichen von Höhenkrankheit haben. Wir erreichen abends wieder den Fluß vor der Ortschaft Saga, an dem ich bei der Hinfahrt große Probleme hatte. Diesmal erwischte es Roland, der in der Strömung umfällt. Er taucht mit der BMW vollständig unter. Aus Zeitgründen verladen wir die Maschine auf den Lkw und den tropfnassen Roland in den Toyota. Abends haben wir beide wieder trocken gelegt. Edi, unser Dritte Fahrer im Bunde hatte bis jetzt nur geringe Probleme im Gelände, schließlich heißt er Edi Hau, war 2 mal Motorcross- Weltmeister und hat auch schon mit dem BMW- Werksteam auf dem Motorrad die Rally Paris- Dakar gewonnen. Er war uns mit seinem Fahrstil um Klassen überlegen. Wir haben von ihm viel gelernt! So haben wir unsere Aufgaben verteilt: Roland als BMW- Werksangehöriger kümmerte sich um die Ersatzteile, Edi war der beste Geländefahrer und ich war der Organisator der Tour. Außerdem hatte ich auch die Ortskenntnisse, da ich die Tour im LKW schon vor einigen Jahren gemacht hatte.
Ab Saga wählen wir die Südroute über Tingri, denn wir wollen noch zum Mt. Everest. Gleich hinter Saga geht es mit einer Autofähre über den Saga- Fluß, die sehr einsame Landschaft ist wunderschön. Zum Greifen nah erscheint uns der 8012 m hohe Shisha Panga, der einzige 8000er, der direkt in Tibet liegt. Es ist ein einmaliges Erlebnis, vor so einem Eisriesen zu stehen.
Noch am Abend fahren wir bis Tingri, einem Ort an der Straße nach Nepal. Am Horizont steht jetzt wolkenlos und beeindruckend der Mt. Everest. Ich freue mich schon auf das Basis Camp. Edi und Roland wissen ja nicht, was sie dort erwartet, doch ich war ja vor zwei Jahren mit dem Lkw schon oben und möchte noch mal hin.
Von Tingri führt eine gut befahrbare Strecke nach Shekar, wo die Piste Richtung Basis Camp des Mt. Everest abzweigt. Es sind rund 80 km bis Rongbuk, der letzten Ortschaft davor, aber die Strecke fordert unsere ganze Konzentration. Es geht auf steilen Geröllfeldern über einen Pass von 5200 m. Mein Motor zieht nicht, trotz Düsenwechsel läuft er nicht richtig. Erst später merke ich, dass mein Luftfilter gereinigt werden muß und auch die Leerlaufdüsen sind verstopft. Die langen Staub- und Sandstrecken hinterlassen Spuren. Die letzten Kilometer bis nach Rongbuk werden hochalpin. Die Eisriesen am Horizont werden immer größer, dann wird die Sicht auf den Mt. Everest frei. Wir haben Glück und erwischen einen wolkenlosen Tag. Das Schauspiel ist atemberaubend. Der höchste Berg der Welt steht so gewaltig und wolkenlos vor uns, dass wir nur mehr staunen können.



Wir sind jetzt auf fast 5300 Meter und vor uns ragt eine Eis- und Felspyramide nochmals mit mehr als 3500 m in den Himmel. Wirklich einzigartig! Den Sonnenuntergang mit der anschließenden Vollmondnacht kann man kaum beschreiben.
Wir fahren noch einige Kilometer von Ronbuk direkt bis zu den Bergsteiger Zelte ins Basislager auf über 5300 m Höhe. Für mich ist das der absolute Höhepunkt dieser Reise!

Am Basislager des Mt. Everest 5300 m:


Diesmal empfinde ich es noch viel beeindruckender. Sicher auch, weil das Wetter jetzt optimal ist und wir diesen Punkt mit den eigenen Motorrädern erreicht haben. Dass wir die Ersten sind, die es geschafft haben alle bürokratischen Hürden der Genehmigungen zu überwinden, macht uns besonders stolz. (Anmerkung: Ich schreibe diesen Bericht erst jetzt, 2013, viele Jahre später in meine Website. Ich war damals von diesem Anblick so beeindruckt, dass ich in der Zwischenzeit 2006 wieder hier herauf gekommen bin und 2 Nächte hier im Zelt übernachtet habe).
Wir übernachten neben einem Nonnenkloster in Rongbuk in einem einfachen Gästehaus mit der einmaligen Sicht auf den Mt. Everest.
Jeder schöne Tag im Leben geht einmal zu Ende! Auch wir müssen nach dieser Vollmondnacht am Mt. Everest an die Rückfahrt denken. Da wir auf dem Landweg nicht nach Nepal zurück können, müssen wir nach Lhasa zurück.
Auf der Strecke nach Shigatse bin ich unaufmerksam und wechsle auf einer Moraststelle die Spur: das Hinterrad hat keine Seitenführung und schon liege ich im Dreck. Dabei geht der rechte Seitenspiegel zu Bruch, den linken habe ich schon früher mal geopfert. Was soll`s- es überholt mich hier sowieso keiner. Im Hotel in Shigatse angekommen, stelle ich mich mit voller Montur und Stiefel unter die Dusche, um den größten Dreck gleich weg zu spülen. Das anschließende Vollbad tut mir nach 3 Wochen besonders gut.
Immer weiter geht es auf Lhasa zu. Ein im Bau befindliche Brücke kann man nur zu bestimmen Zeiten in eine Richtung befahren. Gerade rechtzeitig erreichen wir den Engpass, schon am Nachmittag haben wir Lhas erreicht.
Doch die Aufregung ist noch nicht vorbei. Am Flughafen herrscht viel Hektik, da die Maschine nach Kathmandu überbucht ist. Wir haben bereits unsere Bordkarten, müssen aber mit dem Verladen der Motorräder warten. Schließlich wird uns klar, dass man unsere Maschinen gar nicht mitnehmen will. Man teil uns mit, das zusätzliche 600 kg der 3 Motorräder für den voll beladen Flieger zu viel sind. Man versprach uns, die Motorräder in 3 Tagen mit der nächsten Maschine nach Kathandu nachsenden wolle. Darauf lassen wir uns nicht ein, wer weiß,ob wir dann jemals unsere Maschinen wiedersehen werden. Ob wir jetzt in Kathmandu 3 Tage auf unsere Maschinen warten, die dann womöglich gar nicht ankommen, da warten wir schon lieber hier in Lhasa 3 Tage. Die chinesische Tourisministerin von Lhasa war sehr hilfsbereit und hat uns sogar für 2 Nächte ein sehr gutes Hotel bezahlt!
Wir verhandeln noch den Transportpreis unserer Maschinen, die man dann für 300 USD pro Maschine nach Kathandu mitnehen wird. Wir verstauen die Enduros gleich in der Cargohalle und fahren leicht genervt mit dem Bus zurück nach Lhasa. Wir haben jetzt auch noch das Problem, das wir in 4 Tagen unsere Rückflüge von Kathmandu nach Delhi und weiter nach Deutschland noch nicht rückbestätigen können und sie auch nicht umbuchen können.
In 3 Tagen klappte es dann noch wie am Schnürchen. Als wir am Flughafen ankommen sehen wir aus der Abflughalle unsere Motorräder bereits am Vorfeld vor dem Flieger stehen. Kurz darauf sind sie im Bauch der Boeing verschwunden. Dann sitzen wir endlich in der Maschine nach Kathmandu.
Nach der Ankunft müssen wir uns sputen. Noch am gleichen Tag müssen die Motorräder fertig in die Kisten verpackt werden anschließend zum Zoll und die Frachtpapiere müssen erstellt werden, dann noch für den nächsten Morgen die Flüge rückbestätigen. Madhu hat seine Freunde angagiert, alle helfen mit! Zu guter letzt funktioniert in aller Eile noch fast wie generalstabsmäßig geplant.
Dann sitzen wir in der Maschine nach Delhi und nach Deutschland. Unsere Familien holen uns am Flughafen ab und dann beginnt das Erzählen.
Erst nach einigen Tagen der Ruhe zu Hause wird mir erst bewusst, was ist uns da für eine einzigartige Motorradreise gelungen!
Ich bin ganz ruhig und lasse mir nicht viel anmerken, aber ganz tief drinnen hat sich eine nie gekannte Zufriedenheit breitgemacht, von der ich noch lange Zeit zehren werde!


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